Warum ein neues Rezensionsjournal? Idee und Konzept

 

Obwohl sich im letzten Jahrzehnt für die Kunstgeschichte und die Ästhetik eine erfreuliche Zunahme der Rezensionstätigkeit beobachten lässt, scheint die wechselseitige Wahrnehmung der französischen und deutschen Forschung noch immer begrenzt zu sein. Zeitschriften und Onlinejournale wie Histara, sehepunkte oder das Journal für Kunstgeschichte veröffentlichen regelmäßig Besprechungen fremdsprachiger Bücher, die sich jedoch oftmals auf englischsprachige Literatur konzentrieren. Französischen bzw. deutschen Beiträgen zur Forschung wird in den Rezensionsforen des jeweils anderen Landes indes noch immer vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit geschenkt.

 

Entsprechend verzerrt und einseitig ist daher oftmals die gegenseitige Wahrnehmung. Die Chance, dem Mangel an Übersetzungen wissenschaftlicher Literatur wenigstens durch ausführliche Besprechungen abzuhelfen, wird noch zu wenig ergriffen.

Eine gezielte Förderung der wechselseitigen Rezensionstätigkeit von französischen und deutschen Kollegen erscheint daher geboten, um das Gespräch zwischen beiden Wissenschaftskulturen auf eine bessere Grundlage zu stellen und zu intensivieren.

 

Ein neues Rezensionsjournal, in dessen Zentrum der Austausch zwischen den französischen und deutschen Wissenschaftskulturen stehen soll, dürfte erheblich dazu beitragen, die Wahrnehmung und Kenntnis der Forschungsleistungen im Nachbarland zu erhöhen. Während sich die allgemeinen kunsthistorischen Rezensionsorgane nur begrenzt um eine Verstärkung des deutsch-französischen Austausches bemühen können, soll ein neues Rezensionsjournal, „Regards croisés“, die Möglichkeiten bieten, die Auseinandersetzung mit der neuesten Forschungsliteratur in der jeweils anderen Sprache systematisch zu fördern. Französische Kunsthistoriker und Ästhetiker werden eingeladen, deutsche Studien zu rezensieren, und ihre deutschen Kollegen werden angeregt, französischen Arbeiten eine eingehende Besprechung zu widmen.

 

Mit diesem Vorhaben verbindet sich nicht nur das Anliegen, die Breite der französischen bzw. deutschen Forschungen dem jeweiligen Nachbarland besser zu erschließen. Vielmehr dürfte die wechselseitige kritische Würdigung der französischen und deutschen Forschung auch dazu beitragen, die Diskussion um Inhalte, Ideen und Methoden zu bereichern. Das Konzept der „regards croisés“ kann maßgeblich dazu beitragen, die gelegentlich allzu geschlossen erscheinenden Diskurse in Deutschland oder Frankreich durch neue Einsichten und Fragen aus der jeweils anderen Perspektive aufzubrechen. Gerade weil die Forschungen zur Kunstgeschichte und ästhetischen Theorie in beiden Wissenschaftskulturen auf sehr verschiedenen Traditionen gründen und unterschiedliche Schwerpunkte ausgebildet haben, verspricht der Blick auf Forschungsleistungen des jeweiligen Nachbarlandes neue Anregungen und produktive Infragestellungen.

 

Während sich die Geisteswissenschaften vermehrt einer ‚Globalisierung‘ ausgesetzt sehen, die eine Sprache, das Englische, und bestimmte Leitdiskurse privilegiert, sollen die „Regards croisés“ bewusst aus einem Austausch zwischen unterschiedlichen Wissenschaftskulturen ihre Produktivität beziehen. Ziel ist eine vertiefte gegenseitige Verständigung, die keine Vereinheitlichung zur Folge hat.

 

Erscheinungsform: Online-Rezensionsjournal, halbjährlich erscheinend, ergänzt um eine kostengünstige Printversion.

 

Textformate:

 

  • Längere, kritisch vertiefende Artikel zu einer oder mehreren thematisch zusammenhängenden Neuerscheinungen (article, bis zu 20.000 Zeichen)
  • Kürzere, ‚klassische‘ Rezensionen (note de lecture, bis zu 7.000 Zeichen)
  • Besprechungen von Ausstellungen und den sie begleitenden Katalogen.

 

Jedes Heft soll neben einer Auswahl von Beiträgen zu verschiedenen Epochen, Gattungen und Themenbereichen auch ein thematisch zusammenhängendes Dossier (mit ca. 4 Beiträgen) enthalten.