Nr. 1  Juli 2013 - Daniel Arasse

 

 

 

 




 

EDITORIAL

Fragt man nach Übersetzungen von Büchern zur Kunstgeschichte und Ästhetik, so zeigt sich rasch, dass sie nicht annähernd dem schnelllebigen Rhythmus der wissenschaftlichen Publikationen folgen können. Die Seltenheit und unvermeidliche Verspätung, mit der Übersetzungen wissenschaftlicher Arbeiten vorgelegt werden, schränkt in nicht unerheblichem Maße die Verbreitung neuer Untersuchungsgegenstände, die Dis¬kussion innovativer Methoden sowie die Zirkulation von Ideen ein. Dieser Umstand, der insbesondere auch den Austausch zwischen dem französischen und deutschen Sprachraum betrifft, hat die Gründung unseres Rezensionsjournals motiviert. Regards croisés bietet eine Auswahl von deutschsprachigen Rezensionen französischer Arbeiten sowie von Besprechungen, die aus einer französischen Perspektive einen Blick auf Bücher aus dem deutschen Sprachraum werfen. Auf

Rezensenten danken, die sich auf unser Anliegen eingelassen haben und dank deren Mitarbeit die erste Ausgabe Neuerscheinungen zur Kunstgeschichte wie zur Ästhetik über verschiedene Epochen hinweg vorstellen kann. Unser Dank gilt gleichermaßen dem HiCSA (Université Paris 1 – Panthéon-Sorbonne), der Kunstakademie Münster sowie dem Deutschen Forum für Kunstgeschichte Paris, ohne deren Unterstützung dieses Projekt nicht hätte realisiert werden können.

 

Das Abenteuer dieser ersten Ausgabe war von einem gemeinsamen Enthusiasmus geprägt – gemeinsam, weil sich die Regards croisés gleichsam als eine Anregung zur Lektüre verstehen, die von Lesern ausgeht, um weitere Leser zu begeistern, denen die Zeitschrift eine Vielfalt von Perspektiven unterbreiten will. Und von Enthusiasmus ist das Projekt getragen, weil es sich zum Ziel setzt, eine Reflexion darüber anzustoßen, wie ForscherInnen auf die wissenschaftlichen Arbeiten ihres jeweiligen Nachbarlandes blicken.

 

Ganz in diesem Sinne erschien es uns sinnvoll, eine Zeitschrift, die der wechselseitigen Wahrnehmung von kunsthistorischer und ästhetischer Forschung in Deutschland und Frankreich dienen soll, mit einem Themenschwerpunkt zum Werk von Daniel Arasse zu eröffnen. Und zwar weil dieser prägende Vertreter der französischen Kunstgeschichte, den wir mit einem intellektuellen Porträt (Danièle Cohn) sowie einer Charakterisierung aus der Perspektive einer Nachbardisziplin (Gérard Wajcman) vorstellen, im deutschen Sprachraum noch immer kaum oder allenfalls mit wenigen Arbeiten bekannt ist. Es schien uns daher wichtig, am Leitfaden der wenigen vorhandenen Übersetzungen jener verzerrten Rezeption nachzugehen, die Arasse in Deutschland erfahren hat (Claudia Blümle). Und nicht zuletzt halten wir es für aufschlussreich, die kunsthistorische Arbeit von Arasse ihrerseits in ein Verhältnis zur deutschen Tradition der Kunstwissenschaft zu setzen (Audrey Rieber).

 

Der erneute Blick auf das Werk eines anregenden Autors, die Untersuchung seiner Rezeption in Deutschland bzw. Frankreich sowie die Diskussion methodischer Fragen, die sich bei der Lektüre seiner Arbeiten stellen: Diese Struktur soll auch in den kommenden Ausgaben immer wieder aufgegriffen werden. Porträts werden sich dabei mit allgemeineren thematischen Dossiers abwechseln, die einem grundlegenden Problem der Kunstgeschichte oder Ästhetik gewidmet sind. Wenn Kunstgeschichte von Individuengeschrieben wird, so sind es jeweils auch spezifische, bisweilen eigensinnige Aspekte dieser Geschichte, derer sie sich bemächtigen. Die Ausstellung De l’Allemagne, die kürzlich im Musée du Louvre gezeigt wurde, zeugt davon auf exemplarische Weise, nimmt sie doch ihren Ausgang bei zwei Autoren, Goethe und Germaine de Staël, um mit ihnen einen problemorientierten Überblick über die deutsche Kunst von der Romantik bis zum Zweiten Weltkrieg vorzuschlagen. Ohne in die Debatten eintreten zu wollen, die sich an der Ausstellung entzündet haben, verstehen wir sie als ein klares Indiz für die Aktualität und Intensität des deutsch-französischen Austausches. Wir sehen uns daher in unserem Vorhaben bestärkt, einen Raum für Begegnungen, wechselseitige Spiegelungen und Reflexionen zu schaffen, der es erlaubt, für die Kunstgeschichte und Ästhetik über Konvergenzen und Divergenzen zwischen den beiden Sprachräumen nachzudenken. Wir zweifeln nicht daran, dass das Dossier der folgenden Ausgabe, das der Gotik gewidmet sein soll, ähnlich reich an Entdeckungen und Diskussionsanstößen sein wird.

 

Unser Dank gilt gleichermaßen dem HiCSA (Université Paris 1 – Panthéon-Sorbonne), der Kunstakademie Münster sowie dem Deutschen Forum für Kunstgeschichte Paris, ohne deren Unterstützung dieses Projekt nicht hätte realisiert werden können. Die drei genannten Institutionen haben es uns ermöglicht, einige Beiträge übersetzen zu lassen und mit Hanna Kock, Marina Schell, Kathrin Umbach und Isis von Plato Assistentinnen zu finden, deren Engagement erheblich zum Gelingen des Projekts beigetragen hat.

 

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